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Praxisseminar zur Konzeption und Organisation wissenschaftlicher Tagungen des Fachbereichs Komparatistik an der Universität Paderborn (Sommersemester 2024)

Seit 2014 findet in der Paderborner Komparatistik im Sommersemester alle zwei Jahre ein Praxisseminar statt, in dem Studierende des B.A. und M.A. gemeinsam mit einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin eine studentische Tagung konzipieren und organisieren. Dieses Jahr gehen Praxisseminar und studentische Tagung bereits in die fünfte Runde – unter der Leitung von Anna Maria Spener zum Thema »Alles fließt. Fluides in Literatur und anderen Medien«.


Die Idee des Praxisseminars

Eine der grundlegenden Ideen des Praxisseminars ist es, den Studierenden innerhalb einer universitären Lehrveranstaltung nicht nur nahezubringen, wie Wissenschaft außerhalb universitärer Lehrveranstaltungen funktioniert, sondern dies auch gemeinsam mit ihnen zu erproben. Dabei stellt die Teilnahme am Praxisseminar eine Möglichkeit dar, das Praxismodul zu absolvieren, das für Paderborner Komparatist*innen im Bachelor und Master verpflichtend ist. Das Praxismodul soll Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder für Komparatist*innen bieten: Im Praxisseminar zur Konzeption und Organisation wissenschaftlicher Tagungen geht es also um die Vermittlung und Stärkung von Kompetenzen auch in Bereichen wie dem Wissenschaftsmanagement, der Wissenschaftskommunikation und der Veranstaltungskonzeption, die die Studierenden auf akademischen wie nicht-akademischen Berufswegen weiterzubringen geeignet sind. Die studentische Tagung zeichnet sich sowohl durch studentische Organisation wie durch studentische Vorträge aus. Sowohl Teilnehmende des Seminars als auch Studierende anderer Hochschulstandorte werden am 10./11. Oktober 2024 an der Universität Paderborn (erste) wissenschaftliche Vorträge halten. Die Vortragenden sind sowohl B.A.-, als auch M.A.- und Promotionsstudierende.

Zur Planung einer Tagung gehören zahlreiche Aspekte, deren Anzahl sich nur noch potenziert, wenn die Gruppe der Organisierenden sich auf dreizehn Personen (inklusive der Dozentin) erhöht, von denen zwölf Personen bislang kaum bis gar keine Erfahrung in Sachen Tagungskonzeption und -organisation haben. Was zunächst nach großem Aufwand klang, entwickelte sich seit Beginn des Semesters schnell zu einer sehr fruchtbaren und spannenden Konstellation, die auch der schon etwas tagungserfahreneren Dozentin neue Einblicke und Ideen brachte – und sicherlich auch noch weitere bringen wird, denn die konkreten Planungen sind gerade erst angelaufen.

Schlagwortwolke zur Frage: Was fällt Ihnen zum Thema "Alles fließt. Fluides in Literatur und anderen Medien" ein? Einige der Antworten: Identität, Wasser, Gender, Fische, Fließtext, meeresbiologische Themen, Ozean.
Schlagwortwolke aus dem Seminar (1)


Die Aufgaben der Studierenden

Das Praxisseminar ist als Blockseminar angelegt und besteht aus einer kürzeren Einführungssitzung sowie vier Seminarsitzungen von jeweils dreieinhalb Stunden Länge, die im Abstand von etwa einem Monat stattfinden. Zwischen den einzelnen Sitzungen bearbeiten die Studierenden asynchron Aufgaben für die nächste Sitzung, die sich je nach Sitzungsziel unterscheiden. So hatten die Studierenden bislang bereits die Aufgaben, ihre Ideen und Ansprüche an die Tagung brainstormartig zu formulieren, ihre Arbeitsgruppe kennenzulernen und eine interne Kommunikationsplattform zu etablieren, ihre Einschätzung zur Abstimmungs- und Einladungspolitik darzulegen, den Call for Papers kritisch zu lesen, mindestens zwei Einführungstexte zum Thema der Tagung vorzubereiten, sich mit den Call for Papers, Programmen und Plakaten der vergangenen studentischen Tagungen vertraut zu machen, ein Abstract für die Tagung zu verfassen, wenn sie selbst einen Vortrag halten wollen, alle eingegangenen Abstracts gründlich zu sichten, über die Abstracts abzustimmen und erste Ideen für mögliche Panels zu sammeln. Aktuell arbeiten sie daran, in der nächsten Seminarsitzung ihre Gruppenergebnisse zu präsentieren.

Aufgrund zeitökonomischer Überlegungen hat es sich mittlerweile etabliert, dass sowohl das Tagungsthema wie auch der Call for Papers sowie die Keynote-Speaker*innen bereits vor Seminarbeginn feststehen. Auch andere Aufgabenbereiche wie beispielsweise die grundsätzliche Kommunikation mit den Vortragenden, die Finanzplanung und das Einwerben von Geldern werden von der Dozentin verantwortet. Hier, wie aber auch insgesamt im Seminar, lege ich großen Wert darauf, die Gründe hinter diesen Entscheidungen transparent zu machen, die Seminarteilnehmenden stets zu informieren und ihnen Möglichkeiten für Fragen, Einwände, Wünsche und Ideen zu bieten. Dabei ist es, wie sich gezeigt hat, wichtig, zwischen finanziell wie zeitlich und organisatorisch mitunter unrealistischen Wunschvorstellungen aufseiten der Studierenden und berechtigten Ansprüchen an uns als Organisationsteam insgesamt zu vermitteln.


Die Einführungssitzung

In der Einführungssitzung ging es zunächst darum, Verschiedenes zu klären, das aus der Perspektive einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin erst einmal selbsterklärend erscheint: Was ist eigentlich eine Tagung? Warum veranstaltet man wissenschaftliche Tagungen? Was unterscheidet eine Tagung von einem Workshop, einem Kongress, einer Konferenz oder einem Symposion? Was bedeutet es, eine Tagung zu konzipieren und zu organisieren? Daraus war dann abzuleiten: Was für eine Art von Tagung (oder Workshop?) wollen wir veranstalten? Worauf legen wir Schwerpunkte, was ist uns wichtig, was ist vernachlässigbar? Welche Aufgaben sind zu erledigen? Wer wird sich wann worum kümmern?

Hierfür bildeten wir insgesamt drei Arbeitsgruppen zu je vier Studierenden. Die erste Arbeitsgruppe ist verantwortlich für Designfragen und Werbung (Plakate, Flyer, Instagram, Bewerbung des Call for Papers wie der Tagung selbst), die zweite Arbeitsgruppe für die Vor-Ort-Organisation (Einhaltung des Zeitplans, Moderation, als Ansprechpartner*in während der Tagung fungieren, Technik) und die dritte Arbeitsgruppe für die Drumherum-Organisation (sicherstellen, dass sowohl interne wie externe Vortragende alle Informationen haben, um sich zurechtzufinden und wohlzufühlen, Tagungsmappen, Wegbeschreibungen, Kaffeepausen, Welcoming/gemeinsame Aktivitäten).

Schlagwortwolke zur Frage: Welche Texte, Filme, Theaterstücke, Kunstwerke, Songs ... fallen Ihnen zum Thema ein? Einige der Antworten: Moby Dick, Robinson Crusoe, Shakespeare: The Tempest, Pirates of the Caribbean
Schlagwortwolke aus dem Seminar (2)


Die zweite Seminarsitzung

Die zweite Seminarsitzung knüpfte an die Fragestellungen der ersten Sitzung an. Nun ging es darum, die Schwerpunkte unserer Tagungskonzeption festzulegen: Geht es eher um eine Fach- oder um eine Netzwerktagung? Dürfen alle Seminarteilnehmer*innen einen Vortrag halten, wenn sie wollen? Legen wir vorab Kriterien für die Auswahl der eingegangen Abstracts fest, z.B. hinsichtlich der Varianz von Qualifikationsstufen, Hochschulstandorten und Fachrichtungen? Wie stimmen wir ab: über anonymisierte Abstracts oder Abstracts mit allen biobibliografischen Informationen? Vorab per Tool oder in der Seminarsitzung per Abstimmung im Plenum? Welche Vorstellungen haben die Seminarteilnehmenden vom Keynote-Vortrag?

In einem zweiten Block dieser Sitzung erfolgte zudem eine Einarbeitung ins Tagungsthema, die nicht zuletzt dazu diente, diejenigen Seminarteilnehmenden, die einen eigenen Vortrag halten wollen, ans Thema heranzuführen. Gleichzeitig ging es darum, eine Basis zu schaffen, auf deren Grundlage die kritische Auseinandersetzung mit dem von der Dozentin verfassten Call for Papers vorgenommen werden konnte. Neben der Diskussion über weitere, im Call nicht genannte mögliche Themen für Vorträge, ging es vor allem auch um eine Änderung der Reihenfolge der dort aufgeführten Themenbereiche, da die Seminarteilnehmenden wünschten, nicht nur das Wasser als Bereich des Fluiden in den Vordergrund zu rücken, sondern spezifische Bereiche wie vor allem die Gender und Queer Studies deutlicher anzusprechen. Während meine Idee hinter dem Call for Papers vor allem die war, die thematische Breite und Offenheit des Themas in den Vordergrund zu rücken, äußerten die Seminarteilnehmenden Ideen, wie man den Call for Papers auch für Studierende des Bachelors ansprechend und zugänglich gestalten könnte, um mögliche Hemmungen und Ängste, sich für eine wissenschaftliche Tagung zu bewerben, abzubauen bzw. aufzufangen.


Die Veröffentlichung des Call for Papers und die dritte Seminarsitzung

Im Anschluss an die zweite Sitzung ging der Call for Papers direkt online und wurde sowohl über die üblichen Kanäle wie auch über einen eigens für die studentische Tagung eingerichteten Instagram-Kanal verbreitet und an eine große Zahl literatur- und kulturwissenschaftlicher Fachschaftsräte im deutschsprachigen Raum gesendet. Auch beim Aspekt der Werbung ging es den Seminarteilnehmenden vor allem darum, potenzielle Vortragende aller Qualifikationsstufen zu erreichen, d.h. auch diejenigen, die die Verteiler H-Germanistik oder avldigital.de (noch) nicht abonniert haben.

Das zeigte Wirkung: Innerhalb von vier Wochen erreichten uns beinahe vierzig Abstracts von Bewerbenden unterschiedlicher Qualifikationsstufen, Hochschulstandorte und fachlicher Hintergründe. Die Seminarteilnehmenden stimmten über die weitestgehend anonymisierten Abstracts online ab, und in der dritten Seminarsitzung in der vergangenen Woche diskutierten wir dreieinhalb Stunden lang intensiv über die Ergebnisse der Abstimmung, die realistische Anzahl umzusetzender Vorträge und erste Ideen für Panels. Wichtig war es für mich auch hierbei, die Ergebnisse der Abstimmung grundsätzlich nicht zu beeinflussen, wohl aber die Studierenden an ihre selbstgewählten Kriterien für die Auswahl zu erinnern und einige organisatorisch-finanzielle Aspekte zu bedenken zu geben. Nun freuen wir uns darauf, bald das Programm der studentischen Tagung des Fachbereichs Komparatistik/Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft der Universität Paderborn zu veröffentlichen – und auch noch auf andere Dinge, über die ich jetzt noch nicht allzu viel verraten will.

Anna Maria Spener
Anna Maria Spener

OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Anna Maria Spener (26. Juni 2024). Praxisseminar zur Konzeption und Organisation wissenschaftlicher Tagungen des Fachbereichs Komparatistik an der Universität Paderborn (Sommersemester 2024). Lit:Seminar. Abgerufen am 9. Oktober 2026 von https://doi.org/10.58079/12j6t


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